20 mg Nikotin pro Milliliter – mehr darf ein Liquid in Europa nicht enthalten. Das klingt nach Verbraucherschutz. Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch: Diese Grenze schützt weniger Menschen als vielmehr die klassische Zigarette. Der Beitrag zeigt, weshalb die Regelung an der Realität vorbeigeht und wie eine faire, wissenschaftlich fundierte Alternative aussehen kann.
Die grosse Illusion
Eine Zigarette liefert pro Zug eine präzise, schnelle Nikotindosis – genau daran sind Raucherinnen und Raucher gewöhnt. E-Zigaretten sind durch die 20-mg-Grenze künstlich ausgebremst: Um einen vergleichbaren Effekt zu erreichen, müssen Nutzerinnen und Nutzer häufiger ziehen und mehr Liquid verbrauchen – bleiben dabei aber oft unterversorgt.
Die Folge: Frust, Rückfälle und der vorzeitige Abbruch des Umstiegsversuchs.
Gerätevielfalt ignoriert – Risiko erhöht
Die Regulierung unterscheidet nicht zwischen kompakten Pod-Systemen und leistungsstarken Sub-Ohm-Geräten. Das ist problematisch:
- Kleine Geräte: Bei 20 mg/ml ist die Abgabe pro Zug so niedrig, dass starke Raucher ihren Bedarf kaum decken.
- Grosse Geräte: Mit derselben Liquidstärke kann die Abgabe pro Zug deutlich höher ausfallen – Einsteigerinnen und Einsteiger riskieren eine Überdosierung.
Ergebnis: Ein Gesetz, das weder schützt noch steuert, sondern widersprüchliche Effekte erzeugt – und am Ende jene gefährdet, die man schützen will.
Geschlossene Systeme: Die Chance auf einen sicheren Umstieg
Geschlossene Systeme (vorgefüllte Pods) können Nikotinmenge, Leistung und Abgabe pro Zug präziser kontrollieren. Eine höhere, klar definierte Dosis in solchen Systemen würde starken Raucherinnen und Rauchern den Umstieg erleichtern – ohne tausende Züge am Tag.
So könnten geschlossene Systeme erreichen, was Regulierung eigentlich anstrebt: eine effiziente, kontrollierte Alternative zur Zigarette mit transparenter Dosisführung.
Doppelmoral beim Nikotin
Während E-Liquids strikt auf 20 mg/ml limitiert sind, dürfen Snus und All-White-Pouches (z. B. VELO, ZYN) deutlich höhere Nikotinmengen abgeben – ein einzelner Beutel kann ein Mehrfaches der Nikotindosis einer typischen E-Zigaretten-Zugfolge liefern.
Wo bleibt dabei der einheitliche Jugend- und Verbraucherschutz? Die aktuelle Logik wirkt eher wie ein Schutzschild für die Zigarette – und wie ein Bremsklotz für Innovation.
Blick über den Atlantik
In den USA sind bis zu 50 mg/ml erlaubt. Studien und Markterfahrungen zeigen: Die Mehrheit nutzt nicht zwangsläufig höchste Stärken – doch für starke Raucher können sie der entscheidende Hebel sein, um den Absprung zu schaffen. Europa nimmt diesen Menschen diese Option – und damit vielen die Chance auf einen rauchfreien Alltag.
Unsere Forderung: Nikotin pro Zug messen
Eine faire Regulierung muss sich an der realen Abgabe orientieren – nicht an einer abstrakten Konzentrationszahl im Tank. Wir fordern „Nikotin pro Zug“ als Standardmetrik für geschlossene Systeme (messbar bei einem 1-Sekunden-Zug).
Das schafft:
- Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten
- Vertrauen in Politik und Vollzug
- Sicherheit für Einsteigerinnen und Einsteiger
- Vergleichbarkeit zwischen Geräten
- Innovation ohne unnötige Gesundheitsrisiken
- Kinderschutz (geschlossene Systeme, kein auslaufendes Liquid)
- Bessere Erfolgschancen für den Umstieg dank optimierter, konsistenter Dosis
Zeit für einen Kurswechsel
Die 20-mg-Grenze war ein Schnellschuss. Sie hat der Zigarette das Überleben gesichert – auf Kosten der Gesundheit vieler Menschen. Es ist Zeit, diese Fehlentscheidung zu korrigieren und die Regulierung auf eine wissenschaftlich solide Basis zu stellen. Nur so kann die E-Zigarette ihr Potenzial entfalten – als das, was sie sein sollte: ein wirksamer Weg in eine rauchfreie Zukunft.
Hinweis: Dieser Beitrag spiegelt die fachliche Meinung von vapestubä.ch (Schweiz) wider. Rechtliche Vorgaben können sich ändern; bitte beachte stets die aktuellen Bestimmungen.





